
Warum wir das Wespennest auf unserer Terrasse einfach lassen
Seit einigen Wochen beobachten wir ein munteres Treiben unter unserem Terrassendach. Ein Wespenvolk hat dort sein Nest gebaut. Das klingt zunächst nach Grund zur Sorge, ist für uns aber vor allem interessant. Wespen haben einen schlechten Ruf, den sie eigentlich nicht verdienen.
Papierwespen bauen ihre Nester aus zerkautem Holz, das sie mit Speichel zu einer papierartigen Masse verarbeiten. Schicht für Schicht entsteht so ein wabenförmiges Gebilde. Bei uns auf der Terrasse ist im Laufe des Sommers ein großes Nest entstanden, an dem täglich viele Wespen ein und aus fliegen. Wer genau hinschaut, erkennt ein soziales Insektenvolk mit klarer Aufgabenteilung, von der Königin bis zu den Arbeiterinnen, die Futter für die Brut sammeln. Was viele nicht wissen: Wespen sind wichtige Nützlinge im Garten. Ein einziges Volk vertilgt im Laufe eines Sommers mehrere Kilogramm Insekten, vor allem Blattläuse, Fliegen und Raupen, die sonst Pflanzen und Ernte schädigen würden. Damit übernehmen Wespen eine natürliche Schädlingsbekämpfung, für die man sonst zur Chemiekeule greifen müsste. Erst im Spätsommer, wenn die Brutpflege endet, brauchen die Tiere mehr Nektar und Zucker. Dann werden sie auch am Kaffeetisch lästig. Das Nest selbst wird zudem nur für eine Saison genutzt. Im Herbst stirbt das gesamte Volk bis auf die neue Königin, die allein überwintert und im Frühjahr ein neues Nest gründet. Genau deshalb lohnt es sich, ein Wespennest nicht vorschnell zu entfernen. Wespen und ihre Nester stehen in Deutschland sogar unter besonderem Schutz. Ein mutwilliges Zerstören ohne vernünftigen Grund ist nicht erlaubt. Wichtiger als jede Vorschrift ist aber die Erfahrung, die wir selbst gemacht haben. Solange man dem Nest nicht zu nahekommt, keine hektischen Bewegungen macht und den Ein- und Ausflug der Tiere nicht blockiert, lebt es sich mit Wespen erstaunlich entspannt zusammen. Nur an stark frequentierten Stellen, etwa direkt über einer Kinderschaukel, oder bei bekannten Insektengiftallergien kann eine fachkundige Umsiedlung sinnvoll sein. Am besten mit einem Wespenberater und nicht in Eigenregie. Trotzdem muss niemand jede Wespe am Kaffeetisch einfach hinnehmen. Nach Empfehlung des NABU hilft ein Teller mit überreifem Obst, zum Beispiel Weintrauben oder eine halbe Pfirsichhälfte, der einige Meter entfernt vom eigenen Tisch in der Sonne steht. Die Wespen finden dort meist schneller Nahrung als bei uns am Kuchen und lassen den Kaffeetisch dann in Ruhe. Reiner Honig oder pure Marmelade eignen sich dafür übrigens schlecht, das macht die Tiere eher aggressiv. Wichtig ist außerdem, ruhig zu bleiben. Hektische Bewegungen und Pusten machen die Wespen erst nervös, denn Kohlendioxid in der Atemluft gilt im Nest als Alarmsignal. Von Wespenfallen mit süßer Flüssigkeit oder Bier raten wir ab. Die Tiere sterben darin einen langsamen Tod, und mit ihnen viele andere Insekten. Unser Wespennest auf der Terrasse bleibt also, wo es ist. Wenn Sie bei uns zu Gast sind, zeigen wir es Ihnen gern. Aus sicherem Abstand ist es ein schönes Stück Natur, mitten im Garten der Pension Volgenandt.